Es ist kein Köpfer ins Ungewisse

Quelle: Schwäbisches Tagblatt, Madeleine Wegner, 13.8.2013

 

Isabelle Vogt über ihren Start als Leiterin der Gemeinschaftsschule Ergenzingen

 

Nach zwei Jahren in Südafrika und nach vier Jahren an der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule freut sich die gebürtige Rottenburgerin Isabelle Vogt nun, in ihre Heimatstadt zurückzukehren: Seit August ist sie Leiterin der neuen Gemeinschaftsschule Ergenzingen. 

 

„Es fällt mir so leicht, wieder hierher zu ziehen“, sagt Isabelle Vogt und strahlt übers ganze Gesicht. Gerade ist sie nach Rottenburg und damit zurück in ihre Heimatstadt gezogen. Ob zum Neckarfest, zum Neckarschwimmen und natürlich zur Fasnet: „Ich war oft in Rottenburg als ich noch in Tübingen gewohnt habe“, erzählt sie. In Tübingen sei sie (gemeinsam mit der Hauptschulrektorin, die aus Rottweil stammte) die Einzige gewesen, die am Schmotzigen verkleidet zur Schule gekommen sei. „Ich freue mich, wieder zu Hause zu sein“, sagt sie deshalb. Zurück in ihre Heimatstadt zog es sie schon lange. Nach Stellen in Rottenburg habe sie deshalb immer wieder Ausschau gehalten.

Doch die Aufgaben, die sie hier erwarten, werden nicht leicht sein. Seit August ist die promovierte Realschullehrerin offiziell Leiterin der neuen Gemeinschaftsschule Ergenzingen, die mit dem neuen Schuljahr startet. Doch für die Herausforderungen fühlt sich Vogt gut gerüstet. In den vergangenen vier Jahren hat sie Erfahrungen an der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule (GSS) gesammelt – und den Schulversuch „erweiterte Kooperation“ (Erko) begleitet, der eine Vorform zur Gemeinschaftsschule ist.

Doch im Gegensatz zu vielen anderen Schulen sei die Ergenzinger Werkrealschule mit dem Ganztagesschulkonzept auf den Wechsel zur Gemeinschaftsschule „unglaublich gut vorbereitet“ , so Vogt: „Das große Glück ist, dass Ergenzingen das wirklich will.“

Und wie sieht sie ihre Rolle als Schul-Leiterin? Mit der angemessenen Zeit, um sich in die Rolle hineinzufinden und hineinzuwachsen, möchte sie den Lehrern die Freiheit geben, die Gemeinschaftsschule mitzuentwickeln. Der Aufbau der Gemeinschaftsschule erfordere einen hohen Arbeitseinsatz, der nur mit einer großen Liebe zum Beruf zu stemmen sei, dessen ist sich die junge Schulleiterin bewusst. „Ich weiß, dass es sehr viel Einsatz erfordert“, sagt sie, „und ich hoffe, dass ich die Lehrer so unterstützen kann, dass sie bei Kräften bleiben.“ Dazu gehört in ihren Augen vor allem: Zuhören, miteinander und füreinander da sein.

Isabelle Vogt hat in ihrem Leben bemerkenswert viele Erfahrungen gesammelt – darauf ist die 31-Jährige zurecht stolz. Studium in München, das Leben in einer muslimischen Familie in Südafrika, Promotion und Unterricht: „Es gab keinen Leerlauf in meinem Leben“, sagt Vogt.

Englisch, Französisch und Musik für das Lehramt an Realschulen hat sie an der Uni München sowie an der Hochschule für Musik und Theater studiert. Nach einem Urlaub 2002 in Kapstadt kehrte sie im darauffolgenden Jahr für ein Auslandsstudiensemester dorthin zurück. Die Liebe zu Südafrika hat sie seitdem nicht mehr losgelassen: Insgesamt zwei Jahre war sie dort – vor allem auch, um für ihre Promotion über Dichterinnen im Südafrika in der Zeit nach der Apartheid zu forschen.

Immer wieder hat sie in dieser Zeit in einer muslimischen Familie in einem der „farbigen“ Vororte gelebt. „Vor Multikulti in Ergenzingen habe ich keine Bedenken“, sagt sie.

Was sie außerdem aus Südafrika mitgebracht hat: große Vorbilder (Nelson Mandela und Desmond Tutu) und das Bewusstsein, dass es „Menschen gibt, denen es soviel schlechter geht als uns“. Während ihrer mehrmonatigen Aufenthalte in Südafrika hat Vogt immer wieder auf der Aidsstation eines Kinderkrankenhauses gearbeitet. „Das hat mich in meinem Optimismus und in meiner Einstellung zum Leben geprägt“, sagt sie.

Mit Blick vor allem auf ihre Praxis-Erfahrung an der GSS ist sie für ihren Start an der Gemeinschaftsschule in Ergenzingen überzeugt: „Das wird kein Köpfer ins Ungewisse.“ Und für den Fall, dass doch einmal eine Flut an scheinbar unüberwindbaren Schwierigkeiten droht, hat sie ein Ass im Ärmel: „Ich bin eine gute Schwimmerin, ich kann den Kopf über Wasser halten“, sagt sie schmunzelnd. Wenn alle beteiligten Partner glücklich sind: So sieht für Vogt die ideale Schule aus. Und das bedeutet: Die Schüler müssen ausreichend gefordert und gefördert werden, zugleich muss für die Lehrer die Arbeit leistbar sein. Außerdem sei der Kontakt zu den Eltern wichtig. „Die Zusammenarbeit zwischen den Parteien muss stimmen“, sagt die neue Schulleiterin.

Was sie an der Gemeinschaftsschule so gut findet: „Sie repräsentiert unsere Gesellschaft.“ Die Gemeinschaftsschule sei eine chancengleiche Schule, in der auch der Respekt untereinander und vor den Talenten des jeweils anderen im Vordergrund steht. Jedes Kind bekomme die Zeit zum Lernen, die es braucht. Denn letztlich gehe es „immer um die Schüler, nicht um das Konzept an sich“.

Selbst in Südafrika Erfahrungen gesammelt

Quelle: Schwarzwälder-Bote, 09.08.2013

 

Rottenburg-Ergenzingen (era). Bereits vor Ort geschnuppert und Gespräche geführt hat die neue Schulleiterin der künftig dreizügigen Gemeinschaftsschule, Isabelle Vogt. Die 31-jährige Rottenburgerin befindet sich derzeit noch ein bisschen im Umzugsstress, wie sie sagte. Sie wohnte nämlich bislang in Tübingen und war dort vier Jahre an der Geschwister-Scholl-Schule tätig. Nun zieht sie wieder um in ihre Heimatstadt.

Am 15. Juli habe sie vom Staatlichen Schulamt Bescheid bekommen, dass ihre Bewerbung erfolgreich gewesen sei. Es sei ein langes Verfahren gewesen, so Vogt. Am Schluss seien noch zwei Bewerbungen übrig gewesen. Dass sie letztlich die Auserwählte war, erfülle sie mit Freude. Sie habe sich monatelang mental auf diese Aufgabe vorbereitet und sich darauf eingestellt, Verantwortung zu übernehmen. Die Frage, ob die neue Schulart in Ergenzingen für sie Neuland sei, verneint Isabelle Vogt.

Sie kommt aus der Praxis und bringt einschlägige Erfahrungen dieser Schulart mit. In der Geschwister-Scholl-Schule habe man mit "Erko", (erweiterte Kooperation) einen Vorläufer der Gemeinschaftsschule erfolgreich praktiziert.

So habe sie einiges an Erfahrung sammeln können, was gut oder schlecht gelaufen sei und diese wolle sie einbringen. "Was immer wahnsinnig gut lief, war das Coaching", so die Schulleiterin, die das System der Gemeinschaftsschule schon deshalb gut findet, weil die Chancen der Kinder für die spätere Entwicklung "einfach super" seien. Die Kinder dürften so sein, wie sie möchten. Da es unterschiedliche Lerntypen gebe, müssten diese auch bedient werden. Wichtig sei, dass sich die Pädagogen jeden Tag aufs Neue auf ihre Klasse einstellen. Das erfordere schon die in Zukunft größere Bandbreite, die man im Klassenzimmer haben werde.

Letztlich gehe es nicht darum, eine Ideologie zu vertreten, sondern sich immer wieder zu fragen: "Was brauchen unsere Kinder?"

Der ehemaligen Werkrealschule stellt Isabelle Vogt ein gutes Zeugnis aus. Die Schule bringe bereits sehr viel mit, was für eine Gemeinschaftsschule wichtig sei. Sie habe ein gutes Konzept, sei schon immer Ganztagesschule gewesen und der Rahmen stimme. Was sich ändere, das seien eben die Schüler.

Sich selbst bezeichnet die Schulleiterin als gut organisiert und strukturiert. Sie werde Ziele stecken, aber auch dafür sorgen, dass Puffer eingebaut seien.

 

Isabelle Vogt besuchte in Rottenburg vier Jahre lang die Mädchenrealschule St. Klara, wo sie später auch ihr Referendariat machte. Sie wechselte ab der neunten Klasse zum Eugen-Bolz-Gymnasium und schloss im Jahr 2000 mit dem Abitur ab. Diesem folgte das Studium an der Ludwig-Maximilian-Universität und der Hochschule für Musik und Theater in München, wo sie die Fächer Englisch, Französisch, Musik und Theater belegte. Zudem studierte Isabelle Vogt noch ein Semester Medizin, was vor allem der Selbstfindung diente und so siegte am Schluss ihre Liebe zu Kindern, die in ihrem Leben überhaupt eine große Rolle spielten.

Promoviert hat Isabelle Vogt in Kapstadt und bei der LMU München, wo sie auch ihren Abschluss machte. Bei ihrem Aufenthalt in Südafrika lagen ihr die verwaisten und aidskranken Kinder besonders am Herzen und wann immer es ging, half sie, deren Not zu lindern.

Eines wird Isabelle Vogt in Ergenzingen allerdings noch lernen müssen: Volleyball, denn in Tübingen wurde überwiegend Basketball gespielt. Da das eine aber das andere nicht ausschließt, werden die Schüler künftig nicht nur über das Netz spielen, sondern auch in den Korb treffen müssen.